Frage 17: Gesetzt der Fall, Sie bejahen nicht nur die vorhandene Gesellschaft, sondern sie antworten mit Tränengas, wenn jemand sie in Frage stellt, fürchten Sie nicht, dass der Mensch ohne die große Utopie unweigerlich verdummt, oder fühlen Sie sich gerade deswegen so postmodern wohl?
(Max Frisch)
Was soll ich berichten? Ich bin vor 59 Jahren in Neumünster in Holstein geboren worden. Einer Stadt, die heute in den Schlagzeilen steht, weil sie nach Frankfurt die höchste Kriminalitätsrate hat. Dazu habe ich jedoch nichts beigetragen, denn gleich nach meiner Schulzeit bin ich nach Kiel gezogen, um dort Psychologie und Medizin zu studieren. In Kiel habe ich auch meine Ausbildung als Internist erfahren und alle akademischen Initiationsriten überstanden, bevor ich meine medizinische Ausbildung in Leipzig fortgesetzt habe.
Meine besondere Leidenschaft lag früh im Bereich der Hirnforschung und Psychopathologie. Nachdem mir jedoch klar wurde, dass man damit ein unüberschaubar komplexes Terrain betritt, das für den Broterwerb nur bedingt geeignet ist, wechselte ich in die Innere Medizin und suchte mir als wissenschaftlichen Schwerpunkt immunologische Fragestellungen aus, die zwar auch komplex, aber überschaubarer waren.
Auf angenehm anregende, aber zum Schluß auch etwas anstrengende Zeiten in Kiel und Leipzig folgte vor 10 Jahren ein Umzug nach Berlin, das schon immer die Stadt meiner Träume war. Hier war ich für die Transplantation von Stammzellen zuständig, forschte und genoß die Dynamik der Stadt. Eigentlich so, wie ich es mir früher häufig vorgestellt habe. Manchmal aber auch anders. Nach einiger Zeit wurde mir klar, dass die Universität für die Umsetzung meiner Ideen ein zu konservatives und starres Korsett darstellte. So versuche ich jetzt den Sprung in die Freiheit und nehme die Dinge selbst in die Hand. Der Ausgang ist – wie immer – ungewiss.